Ein Platz für Arthur Lanc

Auf diesem Blog war schon öfters die Rede davon, und jetzt dürfte es Wirklichkeit werden: Arthur Lanc bekommt seinen Platz in der Leopoldstadt, konkret vor der Bankfiliale der Erste Bank Leopoldstadt (auf der Grünfläche zwischen Glockengasse und Taborstraße, Höhe Taborstraße 24 – 24a). Ich habe jahrelang für diese Benennung gekämpft und morgen in der Bezirksvertretung dürfte es nun so weit sein. Zumindest haben SPÖ und FPÖ sich durchgerungen, mit uns gemeinsam einen entsprechenden Antrag einzubringen, womit dieser auch eine Mehrheit haben sollte.

Zur Person

Dr. Arthur Lanc wurde als Sohn eines Schneiders am 20.3.1907 in Wien geboren und wuchs in der Leopoldstadt auf. Er besuchte das Gymnasium Zirkusgasse, danach begann er das Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, welches er 1934 mit der Promotion zum Dr. med. abschloss. Während seiner Gymnasialzeit trat er der in der Leopoldstadt ansässigen katholischen Mittelschulverbindung „Donaumark“ (im heutigen MKV) und während des Studiums der katholischen Hochschulverbindung „Nordgau“ (im heutigen ÖCV) bei. Nach dem Studium war Lanc zunächst Sekundararzt in einem Krankenhaus und wurde dann als Allgemeinmediziner Amtsarzt in Gmünd (Niederösterreich), wo er sich während der NS-Zeit und des Krieges Verdienste um die Rettung der damals verfolgten Juden erworben hat.

Verschiedene Quellen berichten, dass im Frühsommer 1944 ein Transport mit 1700 ungarischen Juden in Gmünd eintraf. Sie kamen aus Budapest, zu Fuß, in mangelhafter Bekleidung und ausgehungert. In einem Getreidespeicher hinter dem Finanzamt in der Lagerstraße wurden sie zusammengepfercht untergebracht. Der jüdische Arzt dieses Lagers, Dr. Lipot Fisch, nahm mit Lanc Kontakt auf und berichtete über die grauenvollen sanitären Bedingungen, durch die bereits Hunderte durch Hunger, Kälte und Ruhr gestorben seien. Lanc und seine Frau Maria beschlossen, den Lagerinsassen mit allen notwendigen Mitteln zu helfen, um ihre Leiden zu lindern. Sie sammelten Kleider, Lebensmittel, Medikamente und Säuglings- und Kinderwäsche. Lanc ersuchte zunächst Fisch, durch den er die Hilfsmittel ins Lager schickte, ihm jede Woche über die Situation im Getreidespeicher Bericht zu erstatten. Später besuchte er selbst das Lager und war dort auch medizinisch tätig. Im Spätherbst 1944 traf der Befehl ein, dass die Lagerinsassen beim Herannahen der Fronten ins KZ zur Vernichtung überstellt werden sollen. Der Termin für den Abtransport wurde für das Frühjahr 1945 bestimmt. Lanc eilte ins Lager und beschloss zu helfen. Letztlich konnte er drei jüdischen Familien, darunter Dr. Fisch mit drei Kindern (5, 4, und 1 Jahr alt), retten. Er verhalf ihnen zur Flucht, obwohl ihm bewusst war, dass für eine solche Tat die Todesstrafe angedroht war.

Als ihm später ein Freund der Widerstandsbewegung sagte, dass der Krieg für die Deutschen verloren sei, dass die Rote Armee bald in Gmünd einrücken werde und dass er sich mit der Rettung der drei jüdischen Familien ein gutes Alibi schaffen würde, soll Lanc gesagt haben: „Für mich ist diese Tat kein Alibi sondern für einen Christen eine Selbstverständlichkeit.“ Nach dem Krieg wurde Lanc Amtsarzt an der Bezirkshauptmannschaft Gmünd und erhielt 1973 bei der Pensionierung den Titel Hofrat. Seine Praxis schloss er erst 1986. Von 1955 bis 1970 war er Gemeinderat in Gmünd. Am 16. Dezember 1986 wurden Dr. Arthur Lanc und seine Frau Maria in feierlicher Zeremonie in Wien die Ehrenmedaille „Gerechte unter den Völkern“ verliehen. Dieser in Israel nach der Staatsgründung 1948 eingeführte Ehrentitel ist für nichtjüdische Einzelpersonen vorgesehen, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten. Am 16. Juli 1987 pflanzte Dr. Lanc in der „Allee der Gerechten“ in Jerusalem einen Baum. Er starb am 20. Mai 1995 in Gmünd.

Wahlversprechen gehalten

Ich habe im Vorfeld der Bezirksvertretungswahlen 2015 versprochen, dass ich mich auch weiterhin für diese Platzbenennung einsetzen werde. Im September wird diese Wahl in der Leopoldstadt wiederholt: Dieses Wahlversprechen wird dann bereits eingelöst sein.

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