Wenn „Porsche-Fahrer“ zum Schimpfwort mutiert

Erwartungsgemäß hitzig ging vergangene Woche ein von „Kurier“ und „ORF wien heute“ organisiertes Stadtgespräch zum Thema Praterstraße über die Bühne. Bezirksvorsteher Karlheinz Hora (SPÖ) und Gemeinderat Rüdiger Maresch (Die Grünen) saßen auf dem Podium, über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger drängten sich im Saal des Restaurants Eisvogel im Wiener Prater. Das Thema: „Praterstraße: Soll die Verkehrsader eine Flaniermeile werden?“. Die Stimmung: Eindeutig. Doch dazu später.

Verleiht Flügel

Maresch, seines Zeichens Verkehrssprecher der Grünen, malte das aus seinem Munde wenig überraschende Szenario eines Prachtboulevards, der mehr Lebensqualität bringe und letztlich natürlich allen zu Gute kommen würde an die Wand. Dass für den motorisierten Individualverkehr (MIV) nur mehr eine Fahrspur pro Richtung übrig bliebe wurde von den Anrainerinnen und Anrainern freilich nicht als rosige Zukunftsaussicht gewertet. „Wo sollen denn die Autos hin?“ „Soll ma leicht Red Bull trinken, denn das verleiht ja bekanntlich Flügel!“, „Jo glauben’s die fahr’n alle zum Spaß mit dem Auto?“ waren einige der Zwischenrufe. So mancher beschränkte sich freilich auch auf ein simples aber umso herzhafter dahingebrummtes „Trottel“.

Stauphasen

In den Wortmeldungen wurde darauf hingewiesen, dass es schon jetzt stundenlange Stauphasen gäbe und man keine Ausweichrouten habe, worauf auch der Bezirksvorsteher hinwies. Tatsächlich bleiben die Grünen die Erklärung schuldig: Wo soll der MIV hin, wenn man eine Hauptverkehrsader zustöpselt? Wenn man nicht auf den Red Bull-Effekt der o.a. Zwischenruferin hofft, dann wohl nur in die Nebengassen und Wohnviertel. Oder aber der Stau wird tagtäglich von Praterstern bis Ring etabliert. Und das stundenlang. Anwesend war übrigens auch der bekannte Anwalt Manfred Ainedter, der sowohl Kanzlei als auch Wohnort in der Nähe hat. Er wies ebenso auf die bereits vorhandene Situation – Stau ist keine Seltenheit – hin und betonte, dass eine Politik der ständigen Bevormundung sicher keine Zukunft habe. Wes Geistes Kind so mancher Grün-Sympathisant ist zeigte sich übrigens gerade während Ainedters Wortmeldung. „Porsche-Fahrer, Porsche-Fahrer!“ skandierte ein Vertreter der Radlobby unentwegt und es bleibt dem geneigten Leser und der geneigten Leserin überlassen wie dies zu werten ist: Ist der Besitz eines Porsche per se unanständig? Verwirkt man mit Erwerb eines Porsche das Recht seine Meinung zu äußern? Darf man nicht so viel verdienen, um sich einen Porsche kaufen zu können?

SPÖ im Gemeinderat nicht gegen Fahrplanreduktion

Wie dem auch sei. Die ÖVP hat sich in dieser Frage von Beginn an hinter den Bezirksvorsteher gestellt, womit eine klare Mehrheit im Bezirk (SPÖ, ÖVP, FPÖ) gegen die von den Grünen angestrebte Umgestaltung besteht. Die Neos und der kommunistische Mandatar überlegen noch… http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160421_OTS0202/vp-hefelle-ad-praterstrasse-wiener-stadtregierungsparteien-stehen-mir-beide-nicht-nahe-aber-im-zweifel-fuer-den-vernuenftigeren-teil

Im Gemeinderat hat die SPÖ freilich mit der Begründung, dass dies Angelegenheit des Bezirks sei und ohne dessen Initiative so und so nichts derartiges umzusetzen wäre, gegen einen VP-Antrag gestimmt, der eine Absage an die Fahrbahnreduktion zum Inhalt hatte. Das ist zwar inhaltlich nicht falsch. Dennoch hätte man auch im Stadtparlament die Gelegenheit ergreifen und der verkehrspolitischen Geisterfahrt der Vizebürgermeisterin eine Abfahrt erteilen können.

 

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