Die Strache-Macher

Es sind Aussagen, die man dieser Tage, wenn man mit Freunden oder Bekannten politisch diskutiert, immer wieder zu hören bekommt: „Der Strache und die FPÖ brauchen gar nichts tun, denen fallen die Wähler derzeit einfach zu“ oder „Derzeit läuft alles für den Strache und die FPÖ. Der kann bis Oktober auf Ibiza Urlaub machen und wird bei den Landtagswahlen in Oberösterreich und Wien dennoch dazu gewinnen“.
Stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich so ist und wie man mit der offensichtlich für die Blauen günstigen Stimmung umgeht. Fakt ist zunächst, dass es im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik Ängste und Verunsicherung auf Seiten der Bevölkerung gibt und Strache diese Stimmung offensichtlich zu nutzen weiß. Fakt ist weiters, dass die Medien offensichtlich bemüht sind, den Eindruck, dass die Regierung mit dem Thema nicht fertig wird, noch zu verstärken. Und Fakt ist drittens, dass viele (v.a.Journalisten) in den sozialen Netzwerken die alte Formel „FPÖ-Wähler = Depp oder Faschist“ hochleben lassen, also nicht bereit sind, einen offensichtlich wachsenden Teil der Bevölkerung ernst zu nehmen.
Selbstgerechte Künstler
Und in dieser Stimmung passiert folgendes: Die Musiker des Jedermann protestieren bei den Salzburger Festspielen mit dem Anstimmen der „Internationalen“ gegen den Besuch des FPÖ-Chefs. Hinterher erklären sie und Mitglieder des Schauspiel-Ensembles wortreich, wie diese Protestnote zu verstehen gewesen sei und hoffen wohl darauf, in der Anti-FPÖ-Community Heldenstatus zu erlangen. Oder vielleicht gar eine Ehrung seitens einer offiziellen Stelle? Dazu muss man die Frage stellen, wem der Protest in dieser Form genützt haben soll und auch, ja auch, ob er legitim war. Zunächst: Genützt hat das Ganze wohl primär dem FPÖ-Parteiobmann. Denn der könnte sich bequem in seine Rolle als ständiges Opfer der medialen Schicki-Micki-Gesellschaft zurückziehen. Was aber diesfalls gar nicht einmal nötig war: Genüsslich macht er sich auf Facebook über die Einlage lustig und nützt sie als Beleg für seine eigene Wichtigkeit. Und der Durchschnittsbürger fragt sich, warum der Chef einer österreichischen Parlamentspartei denn nicht den Jedermann besuchen können soll.
Sinnvoller Protest?
Die Frage ist natürlich, ob Künstler sich ihr Publikum aussuchen können und in welcher Form sie gegen die Aufführung vor bestimmten Personen protestieren können. Ich meine, es gibt eine einzige Möglichkeit und die bedeutet Auftrittsverweigerung. Soll heißen: wenn ein Künstler tatsächlich ein derart großes Problem mit der Anwesenheit einer bestimmten Person oder Personengruppe hat, dann muss er die Konsequenz ziehen und nicht auf die Bühne gehen (und mit seinem Einkommensverlust/seiner Nicht-Mehr-Besetzung leben). Wie der Veranstalter den Rollentausch den vielen anderen zahlenden Personen erklärt ist eine andere Geschichte. Mit der Handlungsweise in Salzburg erzeugen die Mitwirkenden freilich den Eindruck einer eher kindischen Truppe, die sich ob ihres eigenen Muts auf die Schulter klopfen will: „Seht her, wir haben die Internationale gesungen und es dem Strache aber ordentlich gezeigt.“ Und dieser kann sich – siehe oben – zufrieden zurücklehnen. Denn die ach so bewegten Künstler erfüllen sein Geschäft.
Schlussbemerkung
Strache und die seinen mögen einem politisch nicht zu Gesicht stehen und man kann deren Spiel mit den Ängsten der Menschen in bestimmmten Fragen natürlich (und zu Recht) ablehnen. Aber es handelt sich nicht um Diktatoren oder Massenmörder. PS: Unter dem Banner der Internationalen wurden abertausende Menschen unterdrückt, gefoltert, misshandelt und ermordet. Das relativiert die Verbrechen anderer Regime in keiner Weise, ist aber dennoch eine Tatsache, die auch den Künstlern bei den Festspielen bekannt sein sollte.

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