Es ist alles unheimlich leicht….

Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland. Wahlsieger ist die FPÖ und das Heulen und Zähneknirschen geht los. Wie kann man nur, wie geht das denn, wie soll das denn nun werden? Weil man Wahlergebnisse eher selten rational erklären kann und weil es bei einem derartigen Erdrutschsieg wie in der Steiermark sehr schwer ist, auch nur annähernd erklären zu können, was da genau passiert ist, muss man halt irgendeinen ganz schlüssigen und einfachen Grund finden.

Eine hilfreiche Tabelle

Und da liefert das SORA-Institut im Auftrag des ORF vielen in den sozialen Netzen jetzt die vermeintlich richtige Munition. Eine Tabelle, die das Wahlverhalten nach formaler Bildung aufschlüsselt: SORA
Und siehe da. Bei Akademikern und Maturanten sind die Blauen ziemlich schwach, dafür bei den Pflichtschul-, Lehr- und BMS-Absolventen ziemlich stark. Daher postet jetzt so mancher diese Tabelle mit Zusätzen wie „erklärt vieles“ oder „Bildungspolitik überdenken“. Die Botschaft ist klar, zumindest was etwaige FPÖ-Wähler betrifft: „Du hast die Blauen gewählt und deshalb dürfen wir Dich mit Fug und Recht für ein wenig minder bemittelt halten, was man ja wahrscheinlich auch an Deiner geringen (Aus)Bildung ablesen kann.“

So einfach ist es halt (leider oder Gott sei Dank) nicht

Natürlich, werden jetzt viele einwenden, ist das ja auch gar nicht so gemeint. Ja wie denn sonst? Was soll der hämische Hinweis darauf, dass der Wahlerfolg der FPÖ ja „nur“ auf wenig Gebildete zurückzuführen ist?
– will man uns damit sagen, dass eine durchakademisierte Gesellschaft not täte, weil dann alle „das Richtige“ (was auch immer das sein mag) wählen?
– will man uns sagen, dass Menschen ohne Matura und ohne Studium eher stupide sind und man deshalb überdenken sollte, ob diese überhaupt zur Wahl gehen dürfen sollen?
– oder will man sich das Ergebnis der abgelaufenen Landtagswahlen schön reden, indem man darauf hinweist, dass „die G’scheiten“ eh nicht Blau gewählt haben?

Was die Steiermark betrifft, glaube ich, dass die vielgelobte Reformpartnerschaft tatsächlich einiges auf den Weg gebracht hat. Sie hat trotzdem empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Vielleicht weil man den Wählern die Reformen nicht gut genug vermitteln konnte, vielleicht weil andere Themen und damit verbundene Ängste derzeit der FPÖ in die Hände spielen, vielleicht weil Reformen und vernünftige Politik erst nach einiger Zeit honoriert werden.
Man weiß es (noch) nicht genau und man wird sich wohl einer eingehenden Analyse widmen müssen.
Die Wählerinnen und Wähler der FPÖ einfach als Deppen hinzustellen wird jedenfalls nicht reichen. Auch wenn es natürlich „gar nicht so gemeint war“.

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2 Kommentare zu “Es ist alles unheimlich leicht….

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