So schnell kann’s gehen

Eben noch Liebling der Medien, jetzt peinlich, substanzlos und mancherorten gar das Problem seiner Partei. So schnell kann’s gehen, diesfalls bei Matthias Strolz, seines Zeichens Begründer, Parteichef und Überfigur der Neos. Also jener Bewegung, die vor rund zwei Jahren auf der politischen Bildfläche auftauchte. Zunächst nicht ernst genommen, landeten sie bei der Nationalratswahl einen in diesem Ausmaß doch überraschenden Erfolg. Es folgten publizistische Höhenflüge und Spekulationen über kommende Regierungsbeteiligungen. Kaum einer zweifelte daran, dass die Partei auf Größe der Grünen anwachsen würde – jedenfalls zweistellig würden sie bei den nächsten Wahlen schon sein und ohne Neos wäre wohl in Zukunft kaum mehr ein Staat zu machen.
Alles anders
Heute sieht plötzlich alles ganz anders aus. Schon die EU-Wahlen brachten ein an den ursprünglichen Erwartungshaltungen gemessen enttäuschendes Ergebnis, die Vorarlberger Landtagswahl setzte den Trend fort. Denn von den 13 Prozent bei der Nationalratswahl blieben bei der Wahl im Ländle nicht einmal sieben Prozent. Dabei hatte Neos-Generalsekretär Ferry Thierry das Wahlziel eh schon deutlich heruntergeschraubt und mit acht Prozent beziffert. Dazwischen musste man einmal die Notbremse ziehen, weil Neos-Abgeordneter Niko Alm als Protagonist der Pastafari-Bewegung als Religionssprecher doch nicht so gut gekommen ist – man will ja schließlich auch und vor allem Bürgerliche aus dem ÖVP-Umfeld gewinnen. Kurzerhand übernahm Strolz selbst diese Funktion.
Bademantel, Kastanie, Leberwickel und Einläufe
Die letzten Ereignisse waren dann tatsächlich nicht dazu angetan, die Neos als ernsthafte Alternative zu sehen. Zunächst zog sich der Parteichef zu Fasten, Meditiation und Selbstfindung hinter Klostermauern zurück, was ja durchaus sein gutes Recht ist und auch andere Politiker schon getan haben. Warum man diese kontemplative Selbstfindung aber mit dem Boulevard und dessen Lesern teilen muss? Strolz dichtete eine Ode an die Kastanie, die er der „Kronen-Zeitung“ zukommen ließ und berichtete freimütig von Einläufen und Leberwickeln. Mag erstes noch als neuer Polit-Ansatz gemeint sein ist zweites eher peinlich-anrührend. Wen interessieren die Einläufe eines Politikers? Das Foto im weißen Bademantel, getwittert anlässlich des Geburtstages des großen Udo Jürgens brachte die Sache dann endgültig auf Fettnäpfchen-Niveau.
Neu sein reicht nicht
Und kaum zurück vom (wie Strolz betont keineswegs religiös gemeinten) Heilfasten nahte nächstes Ungemach. Die Parteijugend namens Junos, wo die einverleibten Jungliberalen des verblichenen und mit den Neos vereinten Lif die Überhand haben, brachte auf einer Mitgliederversammlung einen Beschluss durch, der die Legalisierung von Marihuana vorsieht. Natürlich stehe er dahinter, sagte Strolz nach einer kurzen Schrecksekunde. Dass die Junos in weiterer Folge die Freigabe aller Drogen fordern, sehen liberal gesinnte Journalisten für eine liberale Partei als passend an. Strolz selbst sagt – nichts. Stattdessen lässt der das Partseisekretariat ausrichten, dass dies zwar nicht Linie der Neos sei, aber eben das Vorrecht der Jugend „steil“ zu sein. Was dann noch folgte, war ein beleidigt-angerührter Auftritt in der ZiB 2.
Neu sein allein ist zu wenig
Nun ja. Sich selbst im Bademantel abbilden lassen, Gedichte an Kastanien zu schreiben, seine Einläufe und Leberwickel an die Öffentlichkeit zu bringen mag auf den einen oder anderen noch immer erfrischend weil anders wirken. Was fehlt sind die stringenten politischen Konzepte. Denn, das konstatieren auch den Neos wohlgesinnte Journalisten, wenn es um Inhalte geht, sind Strolz und die seinen bisweilen wenig beschlagen. Nur neu sein ist auf Dauer zu wenig. Und da ist das Drogenprogramm der Junos wohl noch das geringste Problem.

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