Zuckerwatte-Imperium

„We’re unstoppable“ rief Tom Neuwirth alias Conquita Wurst ins Mikrofon und seither verwandelt sich halb Österreich in ein kaum mehr erträgliches Zuckerwatte-Imperium. Im Netz kursieren Conquita-Fotomontagen, die prominente historische Persönlichkeiten mit dem obligaten Bart darstellen, Journalisten kommentieren, dass Österreich „endlich einmal“ positiv in der Welt auffällt, politische Parteien oszillieren zwischen schlichter Gratulation an den Künstler und kaum mehr erträglicher Anbiederung. Der künstlerische Erfolg des Bad Mitterndorfers wird jetzt auch politisch ausgeschlachtet. Als ob der Song-Contest eine politische Veranstaltung wäre und Europa in einer riesig angelegten Volksabstimmung nicht nur gegen (tatsächliche oder vermeintliche) Homophobie sondern gleich auch gegen jede Form der (tatsächlichen oder behaupteten) Diskriminierung Homosexueller gestimmt hätte. Doch was ist die Qunintessenz, was ist geschehen?
Ein Land versinkt im Freudentaumel
Tom Neuwirth, ein nicht unsympathischer junger Mann aus Bad Mitterndorf, der bereits bei der ORF-Castingshow „Starmania“ und später mit der Boyband „Jetzt anders“ Achtungserfolge erzielt hatte, ist in Person der von ihm erfundenen und verkörperten Kunstfigur „Conquita Wurst“ durchgestartet und hat den Song-Contest gewonnen. Ein Österreicher! Erstmals seit 48 Jahren! Ein Land versinkt im Freudentaumel. Und Tom alias Conquita wird zum Heilsbringer einer schönen neuen Welt. Schwule bekommen alle Rechte, Österreich öffnet sich der Welt, Putin und seine finsteren Gesellen erzittern. Denn, siehe oben, „we’re unstoppable“.
Anything goes?
Dass Österreich seit Udo Jürgens 1966 erstmals wieder den Song-Contest gewonnen hat, freut wohl tatsächlich und zu Recht die meisten Österreicher (außer diejenigen, denen es, auch das ist legitim, „wurscht“ ist). Dass der Gewinner gleichzeitig engagiert und nicht unintelligent für seine Anliegen eintritt, ist auch ok. Dass er singen kann und eine durchaus bemerkenswerte Bühnenshow hingelegt hat so und so. Vereinfacht ausgedrückt nützt Herr Neuwirth seine künstlerischen Fähigkeiten, um für die Toleranz und Akzeptanz jedweden Lebensentwurfes zu werben. Gut so und in Österreich (wie er in der ORF-Sendung „Thema“ selbst zugestanden hat: „Österreich ist ein sehr tolerantes Land“) auch vorhanden. Doch was greift jetzt Platz? Quer durch nahezu alle Medien und viele Politiker-Kommentare zieht sich das Anliegen, mit Hilfe des Song-Contest-Erfolges nicht nur die Toleranz hochleben zu lassen sondern sie wie so oft mit Beliebigkeit und völliger Nivellierung gleichzusetzen. Wir wollen nicht die Eingetragene Partnerschaft, sondern die Ehe für Homosexuelle. Wir wollen das Adoptionsrecht für Homosexuelle, die künstliche Befruchtung, uswusf.
Wenige Stimmen der Vernunft
Nur wenige wagen es, in dieser aufgeheizten „Wir sind Conquita“-Stimmung gegenzusteuern. So die Aktion Leben (siehe http://www.aktionleben.at), deren Generalsekretärin unmissverständlich festhält: „Niemand hat ein Recht auf ein Kind. Durch einen beschränkten Zugang zur IVF (In Vitro Fertilisation, Anm.) können daher keine Rechte erwachsener Menschen verletzt werden.“ Die meisten anderen glauben, auf den Zug aufspringen zu müssen und verwechseln die berechtigte Beseitigung von Diskriminierung mit vollkommener Gleichmacherei, ganz nach dem Motto „anything goes“. Dabei sollte erlaubt sein zu sagen, was viele vielleicht nicht gerne hören. Dass der Staat nämlich „herkömmliche“ Familien (wo noch immer der weitaus größte Teil unserer Kinder aufwächst) fördern kann und soll. Und dass es nichts mit Diskriminierung zu tun hat, wenn zwei Männer, die biologisch eben nicht dazu im Stande sind, nicht gleichfalls vom Staat verordnet Anrecht auf ein Kind haben.
Diskussionsprozess
Man kann diese Frage wohl diskutieren, aber im Mittelpunkt sollte in jedem Fall das Wohl des Kindes stehen, nicht der Wunsch hetero- oder homosexueller Erwachsener. Das wäre einmal ein Ansatz, den übrigens auch der Theologe P.M. Zulehner auf seinem Blog http://www.zulehner.wordpress.com teilt, wenn er schreibt: „Es ist derzeit noch nicht klar, wie sich Kinder ohne Vater und Mutter, dafür mit zwei Vätern oder zwei Müttern entwickeln. Dazu braucht es verlässliche Langzeitstudien in unserem Land. Das bedeutet aber, dass in einer derart folgenreichen Frage, bei der es um das Wohl von Kindern geht, die Politik Besonnenheit, Augenmaß und auch Zeit braucht. Hastiger und durchschaubarer Populismus auf dem Rücken von Kindern ist nicht seriös. Zudem sollte das Land die Kinderrechte ernst nehmen.
Man sollte diese Fragen also keinesfalls übers Knie brechen. Trotz derzeit um sich greifender Conquita-Mania.

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Ein Kommentar zu “Zuckerwatte-Imperium

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