Charakterfrage

Die Neos allerorten. Matthias Strolz in der „Krone bunt“ am Sonntag, drei Seiten über seine Entfremdung von der ÖVP und wie er zum Entschluss gekommen ist, eine neue Partei zu gründen. In „Madonna“ ein zweiseitiger Beitrag über die neue Frauenpower in Pink. Erhard Busek gesteht: „Ich habe diesmal Neos gewählt.“ Umfragen bescheinigen Parteichef Strolz hohe Wirtschaftskompetenz. Und Beate Meinl-Reisinger, Chefin der pinken Truppe in Wien wird als Ansage für Wien inszeniert. Alles schön, alles pink, alles auf Aufstieg.
Neid ist nicht angebracht, die Neos haben es tatsächlich auf professionellste Art und Weise zustande gebracht, sich als die neue bürgerliche Alternative darzustellen (auch wenn über die wirklichen Inhalte noch recht wenig bekannt ist). Und die ÖVP hat noch keine wirkliche Antwort auf das neue Phänomen gefunden. Es zahlt sich allerdings aus, ein bisschen genauer hinzuschauen bzw. zu lesen. Etwa im aktuellen „News“ (Nr.13/27. März 2014).
Dort steht, dass Beate Meinl-Reisinger seinerzeit als Mitarbeiterin der „Stadt-Schwarzen“ Matthias Strolz als „Berater für die marode Partei“ engagiert hat. Wenn sie also eine derartige Schlüsselposition hatte, dass sie ihren nunmehrigen Parteichef als Berater engagieren konnte, warum war sie dann (wie in der betreffenden Geschichte ebenfalls berichtet wird) offensichtlich ganz und gar machtlos gegen den (zugegebenermaßen nicht sehr gelungenen) Law-and-Order-Wahlkampf der Wiener ÖVP im Jahr 2010?
Und auch: Wenn sie schon 2010 so frustriert von der ÖVP war und den erwähnten Wahlkampf so gar nicht wollte: Warum hat sie dann weitere zwei Jahre für die ÖVP gearbeitet – als (bezahlte!) Angestellte wohl gemerkt und nicht ehrenamtlich, wie das viele Funktionäre tun?
Und zu guter Letzt: Wenn man für eine Partei arbeitet, wie kann man es mit sich selbst ausmachen, gleichzeitig eine andere Partei zu wählen? (auch das verkündet Meinl-Reisinger nämlich in „News“: „Sie war Wechselwählerin, auch als Mitarbeiterin der ÖVP. ‚Nur FPÖ und BZÖ hab ich nie gewählt.'“)
Komisch das. Aber wahrscheinlich auch eine Frage des Charakters.

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