Ein paar Homestories

Jeder, der in den letzten 20 bis 30 Jahren eingerückt ist, zumindest in Ostösterreich, kennt seinen Namen. Manche nur vom Hören sagen, manche weil sie ihn selbst erlebt haben. Charles Eismayer, Unteroffizier beim Österreichischen Gardebataillon und seines Zeichens einer der größten „Wetzer“ des österreichischen Bundesheeres. Ich selbst war Einjährig-Freiwilliger und dann einige Jahre Milizsoldat. Beim nicht mehr existenten Landwehrstammregiment 21, direkt in der Maria-Theresien-Kaserne neben der Garde angesiedelt und dann eine Zeit lang bei der Garde selbst beordert.
Meine Erinnerungen an Charles Eismayer: Eine schneidende Stimme, die oftmals über den Kasernenhof schrie und Legenden über seine, nennen wir es verhaltensoriginellen, Einfälle. So ging die Mär, dass er bei einer Übung mit der Panzerfaust eine Kuh erschossen hätte (was er im Interview mit dem „Kurier“ mittlerweile bestätigt hat), dass er als „Offizier vom Tag“ einmal einem Offizier in die Reifen geschossen hat, weil die Wache diesen, da persönlich bekannt, nicht „ordnungsgemäß“ kontrolliert hatte. In Allentsteig sollen Grundwehrdiener auf seinen Befehl hin nach nicht ordnungsgemäßer Reinigung des Geräts des Nächtens auch schon mal im Gatsch um die Baracken gerobbt sein. An jeder Ecke stand ein von Eismayer dort hin befohlener Ausbildner, dem die Soldaten dann ein „auch nach Dienst soll ich reinigen, sonst werden sie mich peinigen“ entgegen rufen mussten. Uswusw.
Ob diese und andere Geschichten genau so vorgefallen sind, lässt sich natürlich nicht vollinhaltlich nachweisen. Aber berüchtigt waren „der Eismayer“ und seine Methoden jedenfalls. Und jetzt hat er sich, wie mehrere Medien breit berichten, mit seinem um einiges jüngeren Freund, selbst Berufssoldat, „verpartnert“. Charles Eismayer ist also schwul und hat in der Gala-Uniform des Österreichischen Bundesheeres eine homosexuelle Lebenspartnerschaft begründet. Schön für ihn.
Warum aber, fragt man sich, ist diese eigentlich private Angelegenheit mehreren Zeitungen gleich seitenlange Homestories wert? Vielleicht weil es gar so berichtenswert ist, dass just und überraschenderweise selbst der „harte Charles“ homosexuell ist? Da kann man nur sagen: Achtung Klischee! Und dass wollen wir dann ja auch wieder nicht bedienen, oder doch?

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3 Kommentare zu “Ein paar Homestories

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